Sonnenfinsternis 2026
Schon letztes Jahr, zur partiellen Sonnenfinsternis am 29.03.25 (an meinem Wohnort mit ca. 16% Verdeckung), hatte ich mir Brille und Filterfolie für meine Kamera besorgt. Leider spielte das Wetter nicht mit: Es war so bewölkt, dass ich die angeschnittene Sonne nur kurzzeitig durch die Wolken sehen konnte. Eigentlich wusste ich, dass die Sonnenfinsternis dieses Jahr intensiver werden und im August stattfinden würde, aber der Alltag ließ das wieder in Vergessenheit geraten. Aufmerksam wurde ich wieder einige Tage vor dem Ereignis durch einen Nachrichtenartikel. Erst zwei Tage vor der Finsternis wurde mir die besondere Bedeutung bewusst: An meinem Standort sollte es eine Verdeckung mit bis zu 88% geben (Berechnung mit Stellarium für meinen Wohnort) – ein Wert, der erst 2081 wieder in Deutschland erreicht werden würde. Außerdem sagte ein Artikel eine interessante farbliche Stimmung voraus, wenn Abendrot und Verdeckung zusammen kämen.
Vorbereitungen
Das Erleben war mir wichtiger als perfekte Aufnahmen, zudem lud das Wetter in diesen Tagen zum Schwimmen ein und so fiel die Vorbereitung knapp aus. Ich fand eine Methode, um die Filterfolie an der Kamera zu befestigen – und war ganz froh, kein 3d-Druckteil entwerfen zu müssen. Als Träger für die Folie diente ein UV-Filter. Dieser wurde demontiert (Haltering entfernt) und die Folie zwischen Fassung und Glas gelegt, anschließend wurde der Haltering wieder befestigt.
Einen Tag vor dem Ereignis ermittelte ich am nahegelegenen Hang eine Position, um die Finsternis beobachten zu können und machte ein Testbild. Das Equipment bestand aus einer Nikon D5000 und einem Tamron-Objektiv mit 200mm-Brennweite (300mm als 35mm-Äquivalent). Die Sonne hat schließlich einen Durchmesser von ca. 280 Pixeln.

Schon da zeigte sich ein interessantes Phänomen: Weit entfernte Objekte wie die Bäume und das Flugzeug am Horizont erzeugen ein interessantes Schattenspiel.
Sonnenfinsternis am 12.08.26
Um 19 Uhr Ortszeit traf ich mich mit Freunden, um das Ereignis vom nahegelegenen Hang zu beobachten. Die Kamera mit Sonnenfilter wurde in Position gebracht und in der folgenden Zeit ab und zu der Auslöser betätigt. Mehrfach wurde die Kamera neu ausgerichtet, um die Sonne wieder gut im Bild zu haben und die Belichtungszeit angepasst, um die sinkende Helligkeit auszugleichen.


Währenddessen genoss ich das reale Erleben, spürte die Kühle trotz des intensiven Sommertages und war überwältigt von dem surrealen Farbspiel aus gedämpftem Abendrot. Eine authentische Abbildung dieser Stimmung auf einem Foto halte ich für schwierig – da Farben auf Fotos stark beeinflusst werden können.


Aufarbeitung der Aufnahmen
Entstanden sind etwa 100 Aufnahmen der Sonne in unregelmäßigen Zeitabständen. Es fand zunächst eine grobe Sortierung nach Zeitstempeln, Qualität und Belichtung statt. Die Aufnahmen wurden in die Software Siril geladen. Siril ist eine Software für Astrofotografie, die das Ausrichten von Bildern zueinander anhand markanter Merkmale erlaubt (sogenannte Registrierung). Außerdem werden verschiedene Methoden zur Helligkeitsanpassung angeboten. Im letzten Schritt können die Bilder summiert (Stacking), oder ein fester Bildausschnitt als Bildserie exportiert werden. Von beiden Varianten wurde Gebrauch gemacht.

Für den Verlauf der Finsternis wurden 42 Aufnahmen ausgewählt. Auf den oberen Aufnahmen lassen sich sogar Sonnenflecken erkennen. Bei den unteren Aufnahmen wird deutlich, dass die Belichtung doch etwas zu gering war. Die Zeitpunkte der Aufnahmen sind in folgender Grafik dargestellt:

Für das folgende Bild wurden ausgewählte Aufnahmen anhand der Bäume am Horizont ausgerichtet und mit einer Aufnahme vom Horizont ohne Filter gemischt. Letzteres ist einige Minuten nach Sonnenuntergang entstanden, weshalb das Licht unter dem Horizont bereits weiter nach rechts gewandert ist.
